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Cooler Durchblick: Sonnenbrillen aus Bayern

 

Im Sommer sind sie das absolute „Must-have“: trendige Sonnenbrillen. Angeblich soll schon Kaiser Nero die Gladiatorenkämpfe im Kolosseum durch einen geschliffenen Smaragd betrachtet haben, um sich vor dem grellen Sonnenlicht zu schützen. Gegen die Schneeblindheit verwendeten Eskimos sehr früh einen aus Tierknochen oder Holz geschnitzten Sichtschutz mit schmalen Sehschlitzen gegen den Lichteinfall. Bereits ab dem 15. Jahrhundert kamen Brillen mit farbigen Brillengläsern auf, die jedoch keinen echten Schutz gegen die Strahlung bieten konnten.

Ein Katalog der „Optisch-Oculistischen Anstalt“ von Josef Rodenstock führte Anfang der 1890er Jahre gelbgrüne Sonnenschutzgläser auf, die sog. Enixantosgläser. 1877 hatte der gebürtige Thüringer in Würzburg seine erste Werkstatt für Brillen und physikalische Messinstrumente eröffnet. 1883 verlegte er seinen Sitz nach München. 1905 erfand Josef Rodenstock die ersten Gläser, die die schädliche ultraviolette Strahlung wegfilterten. Doch bei den frühen Sonnenbrillen handelte es sich noch mehr oder weniger um Einzelstücke.

Erst allmählich setzte sich die Massenproduktion durch. In den Wirtschaftswunderjahren nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Deutschen wieder zu reisen. Der Sehnsucht nach dem Süden trugen die Rodenstock-Sonnenbrillen Rechnung: Sie hießen damals „Amalfi“, „Donna“ oder „Florida“. 1968 brachte der Enkel des Firmengründers, Prof. Rolf Rodenstock, als erster europäischer Brillenhersteller selbsttönende, fototrope Brillengläser auf den Markt. Sie konnten durch eingelagertes Silberbromid ihre Tönung den wechselnden Lichtverhältnissen anpassen

In den 1950er Jahren gelang es Rodenstock, eine Vielzahl prominenter Schauspielerinnen und Schauspieler für die Sonnenbrillenwerbung zu verpflichteten. Sofia Loren, Gina Lollobrigida, Senta Berger oder Curd Jürgens präsentierten die aktuellen Trends. Der umfangreiche Archivbestand der Optischen Werke G. Rodenstock im Bayerischen Wirtschaftsarchiv dokumentiert auch diese Werbekampagnen.

Harald Müller M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter des Wirtschaftsarchivs